23. März 2026
Zu Unrecht in Haft
Andreas Dresens preisgekrönter Film widmet sich einem realen Fall, im Gespräch mit dem damals beteiligten Rechtsanwalt wurde dieser nachvollziehbar beleuchtet
Am Donnerstag, 19. März, lud die Stiftung Forum Recht in Kooperation mit dem Oberlandesgericht Karlsruhe und der Rechtsanwaltskammer Karlsruhe zu einem besonderen Film- und Gesprächsabend in das Filmtheater Schauburg in Karlsruhe ein. Zu sehen war das preisgekrönte Drama „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ auf der großen Leinwand. Im Anschluss beeindruckte der Menschenrechtsanwalt a. D. Bernhard Docke mit einem bewegenden Vortrag über den realen Fall hinter dem Film. Docke hatte von 2002 bis 2006 die Familie von Murat Kurnaz als Rechtsanwalt in dem internationalen Verfahren begleitet. Neben Einblicken in diese Zeit sowie in die Filmentstehung öffnete er die Diskussion mit dem Publikum für die Themen Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit und Menschenrechte.
Nach dem Film herrschte eindrucksvolle Stille im Raum – alle warteten gespannt auf die Ausführungen von Bernhard Docke. Er stellte den realen Fall nochmals mit juristischen Fakten dar und zeigte originale Dokumente aus den Fallakten. Besonders eindrücklich waren die Informationen zum Gefängnis Guantánamo auf Kuba: Inhaftiert waren und sind hier ausschließlich Menschen ohne US-amerikanischem Pass. Den Gefangenen wurden und werden hier grundlegende Menschenrechte sowie Rechte im Ermittlungsverfahren verweigert. Sie wurden gefoltert.
Docke erläuterte die Sammelklage am Supreme Court, deren Ziel es war, die Häftlinge in Guantánamo unter den Schutz von US-amerikanischem Recht zu stellen, sie sollten zumindest das Recht auf eine gerichtliche Prüfung erhalten. Erreicht wurde dieses Recht auf gerichtliche Prüfung, ohne dass es auf ein spezifisches Länderrecht, das heißt beispielsweise deutsches oder türkisches Recht, beschränkt wurde.
Im Verfahren stellte sich heraus, dass nicht nur die USA in diesen Fall involviert war. Ohne dass Docke es wusste, ermittelte er auch gegen die Bundesregierung Deutschland. Der Bundesnachrichtendienst (BND) soll Murat Kurnaz bereits kurz nach seiner Festnahme in Pakistan und noch vor der Überführung nach Guantánamo befragt haben und ihn als ungefährlich eingestuft haben. Die deutsche Regierung tat jedoch nichts für seine Freilassung, da Kurnaz türkischer Staatsbürger ist. Damit wurde deutlich, wie komplex und auch politisch aufgeladen dieser Fall ist.
Aktuell befinden sich noch 15 Häftlinge in Guantánamo, deren gerichtliche Prüfung hinausgezögert wird, so Docke. Zu den Gründen könne er nur Mutmaßungen anstellen. Ihre meist unter Folter erzwungenen Geständnisse seien vor Gericht zudem nicht zulässig.
Zum Schluss unterstrich Docke die universelle Botschaft des Films: Man müsse sich gegen erfahrenes Unrecht wehren! Recht ist kein Selbstläufer. Es muss immer wieder eingefordert und verteidigt werden.
Die Geschichte hinter dem Film
Der 19-jährige Murat Kurnaz aus Bremen wird kurz nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in Pakistan von US-amerikanischen Behörden festgenommen und in das US-Gefängnis Guantánamo verschleppt. Dort wird er fünf Jahre lang unrechtmäßig festgehalten und gefoltert, obwohl US-amerikanischen und deutschen Behörden seit 2002 klar war, dass Kurnaz unschuldig ist.
Der vielfach ausgezeichnete Spielfilm „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ (2022) von Regisseur Andreas Dresen erzählt die Geschichte der Bremer Hausfrau und Mutter von Murat Kurnaz, die zusammen mit dem Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke um die Freilassung ihres Sohnes kämpft. Ihr Weg führt sie bis vor den Obersten Gerichtshof der USA, den Supreme Court in Washington, um gegen George W. Bush zu klagen.
Mit Humor, Wärme und großer Kraft schildert der Film den Kampf der beiden gegen die US-Regierung und deutsche Behörden – für Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit und Menschenrechte.
Die deutsch-französische Spielfilmproduktion feierte 2022 auf der Berlinale Weltpremiere. In den Hauptrollen sind Meltem Kaptan als Mutter von Murat und Alexander Scheer als ihr Anwalt Bernhard Docke zu sehen. Die deutsch-türkische Comedienne und Moderatorin Kaptan wurde für dieses Schauspieldebüt mit dem Silbernen Bären als Beste Hauptdarstellerin, dem Deutschen Filmpreis und dem Deutschen Schauspielpreis ausgezeichnet sowie für den Europäischen Filmpreis nominiert.
Die Veranstaltung war kostenfrei zugänglich und fand in Kooperation mit dem Oberlandesgericht Karlsruhe und der Rechtsanwaltskammer Karlsruhe statt.